
Eines Abends gelang es dem Fox durch den Einsatz eines gewagten Lockmittels sich in das traute Heim des Musikers GREGOR. zu schleichen und endlich die Neugier bezüglich der bald erscheinenden ersten EP und der damit zusammenhängenden Record-Release-Party zu stillen.
Foxi hatte unheimlich viele Fragen, die der liebenswerte, junge Mann allesamt beantwortete und ganz nebenbei das sonst so feurige Fuchstier mit seiner bloßen Aura vollkommen umwickelte und in seinen Bann zog.
Überzeugt euch selbst.
Kann man die Persönlichkeit Gregor mit ihrem derben Sound als Gegensatz zu dir als Privatperson sehen? Du bist bekanntlich sehr introvertiert und ruhig.
Das kann man schon sagen, ja.
Wenn ich auftrete, ist es so, als wäre ich gar nicht anwesend. An manches kann ich mich dann teilweise gar nicht mehr erinnern.
Also gerätst du in eine Art Trancezustand?
Nein, eigentlich bin ich schon noch Herr meiner Sinne. Am Anfang eines Auftritts bin ich natürlich sehr angespannt, aber das verliert sich dann von Minute zu Minute.
In welcher Location oder an welchem Ort würdest du gerne einmal spielen – vielleicht auch in einem anderen Land?
Da fällt mir nichts Bestimmtes ein. Es könnte etwas Großes sein, auch wenn es Mainstream ist, sich vorzustellen, vor sehr vielen Menschen zu spielen. Aber ich muss sagen, dass mich solche Massen beim „I Love Techno“ schon sehr reizen würde. Ja, das hätte schon etwas.
Was wäre denn ein möglicher fiktiver Ort – „Charlies Schokoladenfabrik“?
Ein fiktiver Ort? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie Gedanken gemacht. Mir fiel nur gerade noch eine Location ein, die auch interessant wäre, wie z.B. der Hauptbahnhof. Nur wäre da die Akustik bestimmt sehr schlecht. Ich denke an eine der Vorhallen, aber leider könnte man dort nie etwas machen. Schade, das wäre eigentlich ein wirklich schöner Ort. Es hallt mit Sicherheit viel zu sehr. Der ganze Sound wäre indirekt. Als ich im sowjetischen Pavillon gespielt habe, war das ähnlich. Ich finde, man muss den Sound spüren. Das meine ich nicht nur im psychischen Sinne, sondern vor allem auch physisch. Man sollte ergriffen sein von dem Drücken, dass im Bauch entsteht. Aber nein, wenn alles so hoch und indirekt ist, finde ich das nicht schön.
Deine Release-Party wird ja nun im Westwerk stattfinden. Wie schätzt du den Sound dort ein?
Das Westwerk ist toll, aber ehrlich gesagt, ist der Klang in jedem Raum nur suboptimal, wenn ich das jetzt einmal aus der Sicht eines Tontechnikers betrachte. Das Westwerk habe ich schon öfter eingemessen. Ich gehe dann durch den ganzen Raum und suche nach der besten Stelle. Ich würde mir dort dann am liebsten immer ein Kreuz machen, denn meistens sind die Töne nach einem Schritt weiter schon wieder ganz anders. Aber so ist es eigentlich fast überall. Weil diese Art von Locations sind für diese Parties nicht geschaffen.
Wie ist der Release denn zustande gekommen?
Das war ein extrem schleichender Prozess. Im letzten Jahr habe ich immer weniger Output fabriziert. Ich habe nichts zu ende gebracht. Ich hatte massenhaft Material auf meinen Computer, aber vieles davon hat mir letztendlich doch nicht gefallen.
Die CD-Produktion finanziere ich aus eigener Tasche. Beim Line-Up musste ich Künstler finden, die auch in etwa meinen Sound bedienen. Obwohl es anders sicherlich auch interessant gewesen wäre. Aber ich wollte einen Konzeptabend.
Bist du jetzt zufrieden?
Passt schon.
Was wäre die Traumbegleitung gewesen?
Da fallen mir einige ein, aber das war ja nicht Sinn und Zweck des Abends.
Wenn ich doch darüber nachdenke, sind das aber nur Hirngespinste, ja? Dann denke ich an meine Vorbilder: Huoratron oder GTronic. Vom Sound ist das mein Ziel. Proxy gibt es dann auch noch.
Wenn du auf Tracks, wie „sixteen“ zurückblickst, wie schätzt du sie heute ein?
Das war „geiler Scheiß und guter Rotz“, oder? Dennoch gibt es einige Songs bei denen ich mich wundere, warum ich sie überhaupt hochgeladen habe. Wiederum könnte ich manche heute gar nicht mehr in dieser Form produzieren. Da fehlt mir irgendetwas.
Die neuen Lieder sind alle sehr geradlinig ausgelegt. Es gibt einen Four on the Floor-Beat, einen Bass und noch etwas rings herum. Damals war alles im Allgemeinen punkiger. Es gab dauernd Breaks und verrückte Synthesizer. Heute ist meine Musik einfacher und härter strukturiert. Stimmen sind die einzige Konstante, die ich habe. Ich nehme sie meist irgendwo her und betrachte sie außschließlich als Instrumente, denn sie sagen nichts aus. Auf Silben achte ich gar nicht. Sie sind einfach zerschnitten.
Dennoch versteht man in dem neuen Track KEY WARP „this is my kingdom“. Ist die EP dein Kingdom?
Nein.
War der Entstehungsprozess auch anders als früher?
Aufjedenfall. Am Anfang sind teilweise zwei Lieder in einer Woche entstanden. Die hatte ich auch immer sehr schnell abgeschlossen. Die waren fertig. Heute geht der Prozess über Monate. Ich werde manchmal einfach nicht fertig.
Das ist auch ein markantes Problem von Vertretern der bildenden Kunst. Sie übermalen Stellen, die ihnen nach kürzester Zeit missfallen. In einigen Fällen wird die ganze Leinwand wieder komplett mit Weiß überstrichen. Besserst du aus oder übermalst du komplett?
Ich versuche generell, etwas aufrecht zuerhalten. Ich vergesse sehr schnell, was ich eigentlich an einem Track mochte. Ich finde oftmals die eine Stelle nicht mehr. In der Regel greife ich mir eine Sequenz heraus, setze sie an eine andere Position und versuche etwas Neues daraus zu schaffen. So entstehen dann auch meine total riesigen Projekte, die unaufhaltsam größer werden, da sich immer mehr Spuren aneinander reihen.
Bist du ein kleiner Messi?
Ja.
Stammen die Melodien aus deinem Inneren oder beeinflussen dich äußere Faktoren?
Sie stammen von mir, aber es fällt mir schwer, sie überhaupt zu konservieren. Wenn ich mich vor den Compuer setze, sind sie oftmals schon wieder weg.
Sind deine Inspirationen ausschließlich elektronischer Natur?
Nicht ganz. Ich war neulich im Gewandhaus und habe „Carmina Burana“ gehört. Nach dem Konzert musste ich sofort zu Youtube, um zu schauen, ob ich von dem Sound etwas für mich filtern kann. Ich muss sagen, das ganze Konzerterlebnis war für mich erschreckend. Man ist immer nur direkten Klang gewöhnt. Und dann saß ich da im Gewandhaus mit der Erwartung, dass auf mich jetzt ein ähnlicher Sound zu kommt. Es war verblüffend, wie indirekt das Sounderlebnis war. Man ist immer so dichtes gewöhnt, doch plötzlich war alles so luftig und offen. Im ersten Moment empfand ich die Akustik als viel zu leise, doch dann war ich sehr beeindruckt.
Würdest du dort gern spielen?
Eigentlich schon, ja klar. Das wäre sehr schön. Ich war ja leider nie zur Audio Invasion.
Dennoch hätte ich sicherlich auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich meinen „lauten Scheiß“ anmache, dabei ist dieser anmutige Ort gar nicht darauf ausgerichtet.
Wenn du an deiner Seite einen Designer hättest, was wären deine Anweisungen für einen Entwurf? Du darfst dir alles aussuchen!
Er soll nicht so sehr auf die Kacke hauen. Ich bin ja modisch ein bisschen schwer.
Du bist modisch schwer?
Ja, ich bin modisch schwer. Gefallen und selbst anziehen ist bei mir ein Unterschied. Er kann aber schon etwas Cooles hinzaubern.
Doch was ich empfehlen würde, wäre bestimmt nichts Neues oder Außergewöhnliches.
Es muss schlicht und schick sein. Das ist schizophren. Schlicht und schwarz - aber gleichzeitig muss es auffallen und doch irgendwie wieder nicht. Ich würde auch einen Anzug anziehen. Ich bin da kein Verächter. Auch zum Weggehen. Aber auf der Bühne empfinde ich das als klischeehaft. Das soll dann immer etwas ausdrücken und dann auch noch cool sein. Da zeige ich mich lieber normal.
Wie würde ein GREGOR.-T-Shirt aussehen?
Ich würde es nicht tragen. Ein Beutel wird bald existieren, einfach nur mit GREGOR Punkt. Das würde auch auf einem T-Shirt gehen. Aber ich würde es nicht tragen. Ich finde das immer schlimm, wenn man von seiner Band ein T-Shirt an hat. Da ist mir zu überheblich.
Diese Einstellung ist im Allgemeinen sehr typisch für dich. Du nimmst dich sehr zurück, oder?
Ja, ich bin sehr destruktiv dies bezüglich.
Die Internetseite war schon ein großer Schritt für mich. Ich war dann plötzlich im Zugzwang und so ist sie einfach entstanden. Ich habe auch damals bei Myspace nie geaddet, und immer gehofft, dass man auf mich zu kommt. Destruktiv war das.
Hast du einen Mp3-Player?
Nein, keine Musik im Alltag. Früher vielleicht. Da hatte ich einen. Der ist irgendwann kaputt gegangen. Dann war es vorbei. Ich habe auch ein bisschen Angst um meine Ohren. Manchmal sitze ich abends zuhause mit Kopfhörern und gehe anschließend mit einem Fiepen ins Bett. Das muss ich nicht auch noch am Tag haben. Die Gefahr, dass man das Gehörte nachahmt, ist für mich zu groß.
Was ist das für ein Gefühl, zu wissen, dass GREGOR. einige Menschen im Alltag auf ihrem Mp3-Player begleitet?
Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Leute das auf ihrem Mp3-Player haben. Das finde ich sogar ein bisschen peinlich, weil ich bei viele Liedern im Nachhinein denke, dass sie nicht gut sind. Da ich schnell glaube, dass ein Track nicht gut ist, schlussfolgere ich, dass andere es ähnlich sehen.
Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb der Fox dich gar nicht so sehr als Musiker wahrnimmt, sondern teilweise schon als Künstler. Denn die Prozesse, die du schilderst und die große Unsicherheit sind markante Probleme von bildenden Künstlern. Er sieht deine Musik als Kunst.
Ich kann es nicht als Kunst sehen. Kunst wäre etwas, was etwas wäre. Das was ich mache empfinde ich nicht, als etwas.
Treibt dich dieser Gedanke an?
Teils treibt mich das an. Aber es treibt mich auch oft in eine Endlosschleife des Nichtschaffens.
Der Release fällt mir im Allgemeinen auch sehr schwer. Mensch, es sind ja nur noch ein paar Tage.
Ein leises, gedankenverlorenes 'Oh scheiße' entschlüpft unserem Interviewpartner.
Während bei GREGOR. die Nervosität steigt, steigt beim Fox die Vorfreude auf einen wundervollen Abend. Am 19. 03. 2011 wird zur Record-Release-Party geladen. Dazugehöriges Facebookevent findet ihr hier

Damit so viele Foxfreunde wie möglich dabei sein können, verlost Foxi 2x2 Gästelistenplätze.
Was Ihr dafür tun müsst?
Findet GREGOR. - Sticker oder Plakate in ganz Leipzig, fotografiert eines eurer Fundstücke ab, am Besten so, dass man vielleicht die Umgebung erraten kann, schreibt den Fundort dazu und schickt das Ganze Foxi in einer Facebooknachricht.
Teilnahmebedingungen sind wie immer, die Angabe des richtigen Namens und einer funktionstüchtigen E-Mailadresse.
Einsendeschluss ist der 17. 03 .2011 12.00 Uhr.
Text: Caroline Eibl & Verena Holze




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